Wir schreiben Mittwoch, den 25.1.2012. Als ich gegen 4:30 außer Haus ging versprach der Tag nur gutes. 30cm
Neuschnee und nicht all zu kalt. Was will man mehr? Knapp 8 Minuten und schon war ich zu Fuß am Bahnhof. Aber wo war der Zug? Ach ja, es ist ja noch viel zu früh. Also warten bis endlich der Zug am Bahnsteig bereitgestellt wird. Knapp 15 Minuten später war es dann auch so weit. Nichtsahnend, dass ich den Einstieg wohl den restlichen Tag bereuen würde.
Wieso? Ganz einfach.
Bei diesem Einstieg dürfte mir wohl mein iPhone aus der Hosentasche gefallen und am Bahnsteig gelandet sein. Normalerweise. Ja normalerweise kontrolliere ich meine Taschen nach dem Einstieg weil es doch recht unangenehm ist, wenn man die nächsten 105 Minuten darauf sitzt. Wieso ich es an dem Tag nicht gemacht habe? Iiiich hab keine Ahnung. Hätte ich es nur gemacht! Irgendwann hab ich dann das andere iPhone aus der einen Hosentasche gegeben und gemerkt, dass das zweite Gerät nicht dort ist, wo ich es als letztes vermutet hatte.
In der Tasche vielleicht? Hmm … nein … kann nicht sein. Die hatte ich nicht offen seit ich von zu Hause weg bin. Ok. Im Nespressosackerl zwischen meinem Strickzeug? 2x durchsucht, 3x duchsucht. Fehlanzeige. Kurzes Herzrasen. Scheisse wo ist dieses blöde iPhone? Schauen wir mal via “Mein iPhone suchen” nach, ob ich vielleicht nur dachte, dass es eingesteckt wurde, es tatsächlich aber zu Hause liegt. Shit. Es wird der Bahnhof angezeigt. Blöderweise nicht der, an dem wir gerade angekommen sind. Gut, nächster Gedanke. Liegt es zu Hause und zeigt die falsche Location? Nein, kann nicht sein. Daheim hätte ich WLAN somit wäre es die gleiche Location wie beim MAC. Hmmm … WLAN vielleicht deaktiviert? Möglich, aber wieso zeigt er mir dann den Bahnhof an und nicht den Standort nahe des Senders? Wieso sollte es gerade so eine eigenartige Peilung geben, dass es mir dort anzeigt, wo ich davor war? Shit, also wohl doch verloren.
Hirn lauf mal an und geh alle Szenarien durch. Also, vielleicht findets jemand am Bahnhof. Der nächste Zug geht 15 Minuten später, fährt aber von einem anderen Bahnsteig ab und man muss dabei nicht mal meinen ansteuern. Also wieder nichts. Beobachten wir mal die Ortung des Handys weiter. Guut, alles noch ruhig. Es bewegt sich, aber innerhalb des Bahnhofs bzw der Schienen. Schaut plausibel aus da es an Bahnhöfen mit dem GPS Signal nicht so genau ist. Vielleicht hat es auch mittlerweile schon jemand gefunden und bei den ÖBB Bediensteten abgegeben. Falls es noch keiner gefunden und abgegeben hat, wollte ich mal eine Notification mit einem nervenden Ton abschicken. Also höflich gebeten, dass der Finder sich unter meiner Nummer melden soll. Passt. Alles wichtige mal erledigt und Ich ruf dann bei der ÖBB an und frag ob was gefunden wurde. Haha. Wie kann ich denn dort anrufen wenn nirgends die Nummer ist? Zuerst im Call Center durchquälen? Wird mir wohl nichts anderes übrig bleiben. Aber dann, wenn ich konstanten Empfang habe (ja ja die Zugstrecken …). In Wien angekommen hab ich natürlich gleich wieder nachgesehen. Shit. Das iPhone bewegt sich. Kurze Signalstörung oder wieso bewegt es sich so sprunghaft? (Damit wollte ich wohl eher mein Gewissen beruhigen, als das ich es selbst geglaubt habe.) Tja und was soll man sagen? Plötzlich hat es sich tatsächlich bewegt und ist zum nächsten Ort gefahren. Fuck, also verloren und es hat jemand eingesteckt.
Zuerst von Payerbach ein kurzer Abstecher nach Küb, ebenfalls zum Bahnhof. Ok, vielleicht ein Schüler der aufn Semmering zur Schule fährt … Wurde mir kurze Zeit später widerlegt. Das Handy bewegt sich über Schmidsdorf nach Gloggnitz, zuerst in die Innenstadt, kurzer Stopp bei der Tankstelle oder dem Altersheim und dann weiter über Aue und Schottwien auf den Berg. Ab dann war es eher erschwerlich eine halbwegs funktionierende Verbindung zu bekommen, da dort oben teilweise kein Empfang ist. Aber ok, es ist wirklich tiefster Berg mit sehr sehr wenigen Einwohnern. Weiterhin dachte ich, dass es ein Schüler ist, der mit dem Bus zur Schule fährt. Es würde sicher irgendwie mit einer Buslinie überein kommen. Also nochmals eine Notification mit Text (ohne Text hab ich es immer wieder in unregelmäßigen Abständen abgeschickt, weil es garantiert nervt). Aber wenn es ein Schüler ist, wieso ist er dann doch etwas länger in Breitenstein? Und wieso schon wieder am Bahnhof? Hmm …. Vielleicht hat er sich nach der letzten Nachricht etwas geschreckt und deswegen das Handy im Bus liegen gelassen und ist mit dem Zug weiter gefahren? Alles ja noch erklärbar … Bis das Gerät sich dann kurz vor Mittag wieder in der Zivilisation zurückgemeldet hat und gegen 12-12:13 in der Nähe der Buszentrale “parkte”.
Aaaah wie schön. Entweder ein fladernder Bus-Chauffeur, oder wirklich ein Schüler, der es dann im Bus “entsorgt” hat. Na dann schreiben wir dem Busunternehmen mal alle Daten und bitten um Mithilfe. Fast wollte ich schon schreiben, dass ich andernfalls eine Vermisstenanzeige veranlassen müsste. Haha. Vermisstenanzeige. Da musste ich dann selbst etwas schmunzeln, hab es dann aber auf Verlustanzeige ausgebessert. Prompt kam ein Anruf, aber leider ist kein einziger Bus bei ihnen weil alle noch unterwegs sind. Ausserdem fährt kein Bus so eine Route, schon gar nicht zu der Zeit. Mist. Wieder nichts. Das Gerät ist aber immer noch dort in der Nähe.
Gut, was gibt es noch für eine Theorie? Ein Bahnmitarbeiter der von einem Bahnhof zum anderen fährt …. Uund ev. Schneeschaufeln muss? Na das will ich aber doch nicht hoffen. Sowas machen doch mittlerweile nur noch Kinder (das mitnehmen von gefundenen Dingen, nicht das Schneeschaufeln
). Sind Erwachsene nicht schon so intelligent, dass sie sich denken könnten, dass das Orten eines Handys nicht mehr so schwer ist? Und sollte ein Erwachsener nicht zumindest so eine Intelligenz haben, dass er dann ein gestohlenes Gerät gleich abdreht und/oder gleich zurücksetzt? Wenn ich schon ein iPhone einstecke, dann weiss ich zumindest schon was ich damit zu tun habe. Aber das werden wohl die wenigsten wissen. Ist ja für viele schon etwas schwer, dass man ein iPhone generell mal aktiviert. Und dann noch dazu ein gestohlenes. Aber das ist eine andere Geschichte.

Also hab ich dann natürlich immer wieder kontrolliert wo sich das Gerät befindet. Seit 12:13 nichts an der Position geändert. Abgedreht wurde es nicht, da sich sonst der Standort nicht aktualisiert hätte. Schaun wir mal auf Google Maps was man an dieser Adresse findet. Lt Karte ist es ja mitten in der Pampa aber siehe da … Die Satelitenbilder zeigten eine klitze kleine Siedlung mit nicht viel Auswahl an Häusern.
Paaasst. Kann ned so schwer sein, dort das Gerät zu finden. Aber was mach ich jetzt? Ruf ich bei der Polizei an und meld es gleich? Ruf ich an und frag, ob ich zu meiner Dienststelle gehen muss oder ob ich gleich dort in der Nähe hin fahren darf? Probier ichs mal auf die nette Tour und fahr selbst hin? Wobei. Was bringt es mir, wenn ich hin fahre? Wird natürlich jeder nein sagen, also blöde Idee.
Wie Murphy es dann so wollte, war ich länger als geplant in der Firma und kam erst kurz vor 19:00 raus. Egal, die Polizei, dein Freund und Helfer, ist 24h im Einsatz und morgen kann ich es wahrscheinlich nicht mehr lokalisieren weil es keinen Akku mehr hat. Was du heute kannst besorgen, dass verschiebe nicht auf morgen.
Gesagt, getan. Polizeidienststelle von Neunkirchen aufgesucht und gesagt, dass ich mein iPhone verloren habe und der Finder es eingesteckt hat. Auf die Frage, wieso ich das glaube, hat es schon gereicht, dass ich gesagt habe, dass ich mein Gerät mittels GPS Signal orten konnte. Aaaaber auch da hatte Murphy wieder seine Finger im Spiel. Seit 19:03 konnte es leider nicht mehr grfunden werden und selbst zu dieser Zeit hat es einen zu großen Radius angezeigt, weil es sich wieder in einem Gebiet ohne Empfang befunden hat. Scheisse scheisse scheisse. Bringt sich also nicht mal was, wenn jemand hin fährt. Egal. Dem nächsten Beamten dann alles genauer erklärt und meine, bereits liebevoll aufbereiteten, Dokumente überreicht. Habe ihm die Ausdrucke gezeigt, dass ich es friedlich versucht habe. 2x sogar. Wann ich das Grät wo orten konnte. Seriennummer und IMEI des Geräts und naturlich die Straßenkarte und Satelitenbilder von der letzten Ortung. Mit den Bildern ist der nette Polizist dann zu seinen Kollegen spaziert, wo sie sich dann zu dritt unterhalten haben, wer das dort sein könnte und ob sie dort jemanden kennen.
Eines der beiden Häuser dürfte dann jemanden gehort haben, den der Beamte kennt und somit hat er sich gleich auf den Weg gemacht. Wäre er nicht so nett gewesen und hätte er es korrekt gemacht, hätte er nur meine Aussage aufgenommen und es dann zu meiner Dienststelle in Reichenau weiterleiten müssen. WTF? Naja. Er war ja nett und hat gemeint, dass wir uns in 30 minuten wieder am Posten treffen. Da ich nur ein kleines Mittagessen hatte, genoss ich dann (obwohl mir der Hunger vor lauter Adrenalin vergangen ist) noch einen kleinen Snack beim goldenen M. UND versuchte natürlich weiterhin mein Handy zu orten. Mist. Seit über 1 Stunde noch immer keine neue Ortung. Dann ein kurzer Anruf vom Herrn Inspektor, dass er dann im Haus das Handy anrufen wird und ichnicht abheben soll (Anm. Ich hab eine Smartsim von Orange, wo man mit mehreren SIM Karten 1 Nummer hat). Passt. Beim nächsten Anruf natürlich nicht abgehoben. Nach 28 Minuten machte ich mich dann schön langsam auf den Weg zum Revier, war ja so vereinbart. Als ich vom Parkplatz weggefahren bin hab ich auch schon den Anruf bekommen, dass er wieder zurück ist.
Wow das ist wirklich schnell gegangen. Waren vielleicht ja nur knapp 10 Minuten nach seinem Anruftest, also konnte ich meine Chancen schon am Boden kratzen hören. Wieder zurück bei der Polizeiinspektion wollte er natürlich alles aufnehmen. Arbeit hatten sie ja trotzdem. Und was seh ich da? Da hab ich dich zwischen den Zetteln tatsächlich ein schwarzes iPhone hervorblitzen gesehen. Ich hab eigentlich gedacht, ich würde träumen, aber es war Wirklichkeit. Hat er wirklich mein iPhone wieder zu mir zurück gebracht? Ich durfte es natürlich kontrollieren ob alles passt, ob Schrammen dazu gekommen sind, ob sonst etwas ist. Aber nein. Alles angetroffen, wie ich es verloren habe. Ich war echt so froh, ich hätte weinen können. (hab ich natürlich nicht) dann war alles nur noch eine Formsache. Ich erklärte es ihm nochmals und er schrieb seinen Bericht und ich unterschrieb das ganze. Dazwischen haben wir noch ein bissl über die heutige Technik geplaudert und dann war mir klar, wieso ihn das nicht gewundert hat. Wer sein Android selbst rootet und div. Dinge draufspielt, der wundert sich nicht mehr
aber das Service von Apple war auch ihm neu. Deswegen hab ich es ihm und einem Kollegen schnell auch vorgeführt.
Dieser Polizist hat seinen Namen wohl zu recht. Der Herr Ritter
Bis jetzt kann ich es eigentlich noch kaum glauben, dass es bei so einer blöden Sache tatsächlich ein Happy End geben kann. Aber es geschehen noch Zeichen und Wunder. Und wisst ihr was? Es war der “Gärtner”. *lol* naja. Der Wintersienst der in der Früh den Bahnsteig vom Schnee befreit hat. Er war natürlich überall dort, wo ich das Handy orten konnte. Und er hat es dort gefunden, wo ich es vermutet hatte. Wieso er es dann nicht einfach am Bahnhof abgegeben hat? Er hat nicht gewusst was er damit machen soll, er wollte es aber am nächsten Tag wo abgeben (ja na klar. Wissen wir ja alle) und er wusste nicht, dass man das in Österreich gleich abgeben “muss”. Naja, jetzt sollte er es wissen und zumindest für kurze Zeit einen Schock haben, dass man ihn so schnell erwischt hat bzw das man ihn übergaupt erwischt hat. Und vorallem, dass ihm der Polizist sagen konnte, wo er noch die Stunde davor war. Er hat jetzt dann eine Fundunterschlagungsanzeige bekommen und musste seine Aussage ebenfalls an einem späteren Tag bei der Polizei machen.
Haha Das hast du dir so gedacht mein Lieber, aber nicht mir mir Freundchen. Keiner entkommt CSI Manu
Und was lernen wir aus dieser Geschichte? Nie nie nie nie wieder das iPhone in der Hinteren Hosentasche einstecken. Immer immer immer alle Daten sichern (nein, es war noch kein iOS 5 mit iCloud Backup drauf) und jeden tag ein Fotobackup machen. Das war eigentlich der Teil, der mich zum heulen gebracht hätte. Scheiss auf ein iPhone oder irgendwelche Daten in Apps. ABER DIE BILDER!! Die wurden am nächsten Morgen gleich als erstes gesichert. Ich bin ja absolut gegen irgendwelche (spionage) Datensicherungen der Regierungen aber solche Funktionen find ich einfach nur endgeil.
Natürlich hätte es mir nichts gebracht, wenn er das Gerät zurückgesetzt hätte, aber dem war gsd nicht so. Also vielen Dank an alle N00bs da draussen, die offenbar keine Nerds oder Geeks kennen. In so einer Situation werde ich euch immer Lieben.




















